Liebe Gemeindemitglieder,

„Lektor“, so wird jene Person genannt, die bei der Feier des Gottesdienstes die Rolle des (Vor-)Lesers der biblischen Lesung(en) übernimmt.

Dabei geht es nicht nur um ein möglichst fehlerfreies Artikulieren von Buchstabenfolgen, sondern um die anspruchsvolle Aufgabe der Vermittlung einer Botschaft für die Hörenden.

„Lesen“ ist also eine Kunst – und es ist ein Vergnügen; das werden all jene bestätigen können, die sich auch selber gerne als „Bücherwürmer“ oder „Leseratten“ bezeichnen und es lieben, die Geschichten oder das Wissen der Bücher in sich „hineinzufressen“.

Nicht zuletzt im Dienst all dieser Menschen stand und steht seit 100 Jahren unsere Bücherei in Hutthurm und ist mit dieser Aufgabe mehr und mehr gewachsen – getragen von unermüdlichen Helferinnen und verantwortungsbewussten Förderern. Zugenommen hat auch deutlich die Vielfalt der angebotenen Medien.

So ist es eine große Freude, dieses Jubiläum feiern zu dürfen, die größte Freude aber ist wohl die große Akzeptanz bei Alt und Jung, was die Ausleihzahlen deutlich zum Ausdruck bringen. Mag dies auch in Zukunft anhalten.

Pfr. Stefan Seibold

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

einhundert Jahre ist es her, seit unsere Bücherei Hutthurm gegründet wurde. Ein stolzes Alter also, und wenn man bedenkt, welche technischen Errungenschaften die Medienlandschaft  und unsere Gesellschaft komplett verändert haben, so ist sie immer mit der Zeit gegangen und man sieht ihr das Alter nicht an!

 

Egal, welche Geschehnisse die Welt durcheinanderrüttelten, wenn ich auf die einhundertjährige Geschichte der Bücherei zurückblicke, dann kann ich sagen: Hutthurm war und ist sehr belesen. Darüber freue ich mich, denn wer Interesse an Büchern hat, der ist wissbegierig und weltoffen. Auch heute noch ist das Buch eine wichtige Informationsquelle, dient der Unterhaltung und jemand der gerne liest, dem wird nie langweilig.

So ist es mir als Bürgermeister ein Anliegen, das Büchereiwesen in unserer Marktgemeinde zu fördern. Besonders stolz sind wir natürlich auf die wirklich wunderschönen, hellen und freundlichen Räumlichkeiten, die wir vor zwei Jahren eingeweiht haben. Standort und Ausstattung sind einfach perfekt und einladend, um das Lesen in jedem Alter zum Vergnügen zu machen.

Dank dem ehrenamtlichen Engagement des Büchereiteams haben sich nicht nur die Ausleihzahlen stark erhöht, sondern die zahlreichen Veranstaltung ziehen viele Menschen an. Und genau so soll es sein: Die Bücherei soll mit Leben gefüllt werden. Sie soll für alle ein Ort der Begegnung sein, neue Erkenntnisse bringen, das Bewusstsein erweitern und einfach allen Freude machen. Die Tür ist weit geöffnet – treten Sie ein in die Welt der Bücher.

Mein Dank gilt natürlich auch den kirchlichen Trägern und allen weiteren Sponsoren, die uns unterstützen, dieses reiche Angebot zu ermöglichen. Gemeinsam leisten wir einen wichtigen kulturellen Beitrag, um unsere  Marktgemeinde für die Bewohner attraktiv zu machen.

Zum Jubiläum haben wir ein sehr schönes Festprogramm vorbereitet. Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung und viel Freude bei der weiteren Lektüre.

Ihr

Hermann Baumann

„Ein Raum ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele“ (Cicero)

Liebe Leserinnen und Leser,

vieles hat sich im letzten Jahrhundert gewandelt, eines glücklicherweise nicht: Der Wissensdurst der Menschen, der Hunger nach Informationen und Unterhaltung, nach Seelennahrung.

Diesen Hunger und Durst versuche ich seit nun zwanzig Jahren als Leiterin der Bücherei zu stillen und damit das Interesse am geschriebenen Wort wachzuhalten. Mit Freude nehme ich die Aufgabe wahr, im allgemeinen Interesse die Bücherei für alle Bürgerinnen und Bürger attraktiv und anziehend zu machen. Darunter verstehe ich, für alle inspirierenden, informativen und unterhaltsamen Lesestoff bereitzustellen, das Lesen in jedem Alter – sogar schon im Vorschulalter – zu fördern und Veranstaltungen zu organisieren. Besonderer Dank gilt hier den Sponsoren und Zuschussträgern, aber auch dem ehrenamtlichen Team, ohne dessen unermüdliches Engagement das alles nicht möglich wäre.

Seit zwei Jahren haben wir unseren festen Platz in der Hutthurmer Schule gefunden. Ich kann mich seit meiner Kindheit an insgesamt sechs Standorte erinnern, als Leiterin habe ich selbst drei Umzüge mitgemacht, wobei es auch eine Zeit des Wachstums war: von 45 auf jetzt 185 qm. Im Zeitalter der digitalen Welt sehe ich das als enorme Wertschätzung für Bücher und deren kulturelle Wertigkeit in unserer Gesellschaft an. Sehr motivierend sind auch immer die positiven Rückmeldungen unserer Mitglieder. Genauso freuen wir uns über konstruktives Feedback, denn wir wollen ja gemeinsam etwas bewegen und die Zukunft der Bücherei zum Wohl der Allgemeinheit interessant gestalten.

Einen kleinen Einblick in die Vergangenheit finden Sie in dieser Chronik. Was die Zukunft bringt, das wissen wir nicht, aber sicher verschließen wir unsere Türe nicht vor der Moderne und wollen unser Angebot weiter ausbauen.

Jetzt aber freue ich mich auf die 100-Jahr-Feier, die Veranstaltungen des Rahmenprogramms und auf die zahlreichen Gäste, die mit uns das Fest begehen, denn man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Ihre

Martina Scholz

Gründung, Chronologie und Zeitdokumente

Über die genauen Anfänge unserer Bücherei lässt sich leider nicht viel sagen. Aufzeichnungen der Diözese Passau gehen auf das Jahr 1914 zurück, in welchem sich die Ereignisse der Welt mit Ausbruch des ersten Weltkrieges überstürzen.

 

Hutthurm war schon immer belesen.

Zeitzeugen berichten, dass es neben der Volksbücherei weitere Ausleihstellen gab. Eine davon war bei der Familie Friedel in der

Marktstraße, aber auch das Bezirkskrankenhaus ist erwähnenswert.

 

 

Die Staatliche Beratungsstelle für

Volksbüchereien schreibt den Gemeinderat am 28.02.1931 mit dem Vorschlag an, den Betrag von 30 – 40 Reichsmark in den

Gemeindehaushalt „zwecks Büchernachschaffung“ aufzunehmen.

Richtlinien für Volksbüchereien während des Nationalsozialismus, über deren Einhaltung bzw. über das „Veranlaßte“ zu berichten ist.

Bereits im Jahr 1935 gab es den „Versandbuchhandel“, der den gewünschten Lesestoff lieferte:

Harte Zeiten während des Krieges auch für die Bücherei, v.a. bei Kriegsende 1945, als die Bücherei verloren ging.

Auszug aus dem Buch: „Die Geschichte der Schule Hutthurm, 2.Teil 1918 – 2003“ von Inge Friedrich:

Hieraus geht hervor, dass es neben der Volksbücherei noch die Pfarrbücherei gab, in welcher Bücher ausgeliehen werden konnten. In alten  Unterlagen aus den 50-iger und 60-iger Jahren ist auch immer wieder vom „Bayerischen und Bundesgrenzhilfeprogramm für Volksbüchereien“ die Rede. Auch hier hat sich viel verändert: Damals lag Hutthurm an Rande Deutschlands, heute liegt es im Herzen Europas.

1953 wurde die Volksbücherei in Hutthurm wieder eröffnet.

Mit Antwort auf dieses Schreiben an die Staatliche Volksbüchereistelle (siehe Seite 18) gibt der Gemeinderat seinen Entscheid bekannt: Von einer Leihgebühr wird Abstand genommen!

Die Leser der Gemeinde Hutthurm werden in der Nachkriegszeit zusätzlich durch einen Büchereibus mit Lesestoff versorgt, Zeitzeugen erzählen davon. Dieser Bus wurde jedoch 1958 eingestellt.

Impressionen aus der „guten alten Zeit“

1981: Alle Büchereimitarbeiterinnen mit Pfarrer Josef Gröger und Haushälterin
Kathie Uhrmann auf dem jährlichen Ausflug nach München zum St. Michaelsbund
zum Bucheinkauf. Der Kofferraum war mit Köstlichkeiten gefüllt, die unterwegs als
Stärkung dienten.

1996: Entliehene Bücher wurden manuell verwaltet: mit Buchkarten und Karteikartensystem – Ordnung war oberstes Gebot, sonst musste man lange suchen.

Standorte

Alte Schule (heute Gebäude Obermeier) – der genaue Zeitraum ist nicht bekannt.

Rückgebäude Stingl bis 1972

Pfarrhof 1972 bis 1992

1992 bis 1999: Kleiner Raum im Kindergarten Untergeschoss (ca. 45 qm), wird heute als Personalraum genutzt.

1999 bis 2010: Nur eine Tür sind wir weitergezogen, in den alten Pfarrsaal. Hier erfolgte dann auch die Umstellung auf EDV. Heute beherbergt dieser Raum die Kinderkrippe.

2010 bis 2012: Umzug in‘s „Notquartier“ Ginzingersaal

25.11.2012: Feierliche Einweihung in der Mittelschule Hutthurm

Herr Michael Sanetra vom St. Michaelsbund München übergibt „Das Buntbuch“ von Heidrun Boddin mit Orignalbild an Martina Scholz.

Das kleine Buch auf Wanderschaft

Es war einmal ein kleines Buch, das lebte in einem Pfarrhof. Eines schönen Tages kam ein neuer Kirchenfürst, der die Heimat des kleinen Buches für seine Schreibstube beanspruchte. So musste das kleine Buch sich auf Wanderschaft begeben.

Am Fuße eines hohen Berges fand es Unterschlupf in einem Häuschen, in dem alle Dinge und Menschen klein waren. „Wo bin ich hier gelandet?“ fragte sich das kleine Buch. Der Name dieses zauberhaften Ortes war: Kindergarten Hutthurm, Untergeschoss.

Hier aber hatte es wenig Platz und musste mit seinen Freunden eng zusammenrücken. Und die Jahre gingen ins Land und der Kirchenfürst und seine getreuen Untertanen erkannten die Nöte des kleinen Buches. Viele Gelehrte zerbrachen sich den Kopf, um für das kleine Buch ein neues Zuhause zu finden. Doch das Gute liegt so nah. Nur eine Tür weiter, im alten Pfarrsaal, fand es seine neue Heimat.

Und es brachen fröhliche Zeiten an. Besucher aus Nah und Fern strömten herbei, um das kleine Buch und seine Freunde auszuleihen. Viele Feste wurden gefeiert und tapfere Zwerge verbrachten sogar ab und zu die Nächte bei ihnen. Es fühlte sich rundherum wohl. Aber eines Tages kam ein Erlass aus dem fernen Regierungssitz, der lautete: „Möge noch mehr Platz geschaffen werden für Schneewittchen und die kleinen Zwerge (sprich Krippenplätze)“. So musste das kleine Buch weiterwandern.

Es kam in einem alten Tanzsaal an. Hier hatte es zwar viel Platz, aber oft bibberte es am ganzen Leib vor Kälte. Nachts tanzende Ungeheuer, feuerzüngelnde Stromschlangen und reißende Wasser brachten das kleine Buch in große Gefahr.

Der Rat der Weisen beschloss: Lasst uns einen Palast für das arme kleine Buch bauen. Und nach zwei Wintern war es wahr: Das kleine Buch und seine Freunde zogen in einen schönen hellen Palast mit Zugbrücke.

Und falls es nicht schon ausgesondert wurde, so lesen es die Leute noch heute und sie können das kleine Buch zu den regulären Öffnungszeiten ausleihen.

Autoren: Monika Veit und Martina Scholz anl. Eröffnung der neuen Bücherei 2012

Leiter der Bücherei im Laufe der Jahrzehnte

Dies ist der einzige Hinweis zu Frl. Lehrerin Marie Kittl, die 1953 als Leiterin der Bücherei genannt wurde.

Armand Fuchs (*1906, †1992)

Armand Fuchs kam 1946 aus dem Sudetenland. Er war Lehrer und später Schulleiter der neu erbauten Schule in Kalteneck, um welche er sich große Verdienste erwarb. Ebenso war er für die Gemeinde Hutthurm als Chronist tätig und wurde hierfür, aber auch für sein Wirken in der Jugend- und Erwachsenenbildung, mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.

Quelle: „Die Geschichte der Schule Hutthurm“ von Inge Friedrich

Es ist nicht genau bekannt, wann er als Büchereileiter tätig war.

Ingeborg Dytko, (*1921, † 2009) von 1954 bis 1972

Von 1945 bis 1979 unterrichtete sie als Lehrerin an der Schule Hutthurm und nahm insgesamt 18 Jahre neben ihrem Beruf das Ehrenamt wahr.

Rosmarie Knon, von 1972 bis 1992

Zwei Jahrzehnte im Ehrenamt als Büchereileiterin: Die Gemeinde dankt ihr für ihr Engagement.

Martina Scholz, 1994 bis heute

Bei der Ausleihe half Martina Scholz in der Bücherei schon lange, wie auch ihre Mutter schon bei Armand Fuchs. Der Überzeugungskunst von Frau Gisela Schopf (*1945, † 2006) ist es zu verdanken, dass sie die Aufgabe angenommen hat, die Bücherei zu leiten, wobei Gisela die Leiterin viele Jahre als „rechte Hand“ sehr engagiert unterstützte.

Die Bücherei in Zahlen – „gestern“ – im Jahr 1966